Hot Dog Wettessen in New York
63 Hotdogs schluckte der 33-jährige Gewinner Joey Chestnut innerhalb von 10 Minuten in diesem Jahr beim alljährlichen Nathan’s Hot Dog Wettessen in den USA. Bei den Frauen gewann Miki Sudo mit ihrem Hotdog-Konsum von 40 Würstchen samt Brötchen. Für die meisten von uns ist das Verspeisen von Mahlzeiten in dieser Größenordnung unvorstellbar. Doch was passiert mit dem Körper beim Wettessen und wie gefährlich ist es?
Chestnut trainiert für diese Wettbewerbe. Er zieht einen Vergleich zu Bodybuildern oder Marathonläufern: „Ich adaptiere meinen Körper langsam“, erklärte er Webmb. Um seinen Magen zu dehnen trinkt er – wie viele andere Wettbewerber auch – rund 3,8 Liter Wasser oder Milch in einem Zug. Einige Tage vor dem Wettbewerb verzichtet der 10-fache Gewinner des Nathan’s Hot Dog Contests auf feste Nahrung und nimmt nur noch flüssige Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Er will sich für den Wettbewerb hungrig stimmen. Seine Kalorienzufuhr überwacht er strikt. Einmal wöchentlich isst er massive Mengen an Mahlzeiten: Hamburger, Hähnchenschenkel, Topfentorte oder Hummer. Während des Wettbewerbs trinken die gegeneinander antretenden Wettesser viel Wasser und tauchen ihre Hotdogs in Wasser, in der Annahme, dass die Mahlzeiten schneller im Magen verdaut werden.
Was mit dem Körper passiert
Normalerweise dehnt sich der Magen während des Essens aus, um Mahlzeiten aufzunehmen, erklärte der Gastrologe Dr. David C. Metz der Huffington Post. Die Muskeln entspannen sich und machen Platz, um Essen aufzunehmen. Erhöht sich der Druck, erfährt ein durchschnittlicher Mensch Übelkeit oder Erbrechen. Nach seiner Hypothese haben Wettesser die Fähigkeit, ihren Magen durchgängig zu entspannen, um mehr Mengen zu sich zu nehmen. Der Magen einer Durchschnittsperson kann normalerweise Mahlzeiten in dem Volumen von zwei bis drei Litern aufnehmen. Metz schätzt, dass der Magen von Wettessern sich so weit ausdehnen kann, dass rund sechs oder sieben Liter darin Platz haben. Genau Studien dazu gibt es nicht.
Die Schattenseite des Wettessens
Wettessen ziehen eine gigantische Fangemeinde an. Alleine bei Nathan’s Famous strömen zwischen 40.000 und 50.000 Schaulustige zu dem Spektakel nach Coney Island, New York, um zuzusehen, wie sich ein Dutzend Wettbewerber die Bäuche vollschlagen. Das bereitet vielen Ärzten Sorgen. Ernährungswissenschaftler sehen in solchen Contesten das Aussenden falscher Botschaften. Das Training und die Wettbewerbe können den Verdauungstrakt schädigen, den Natriumgehalt gefährlich niedrig senken und Essstörungen begünstigen.
Es existiert wenig Forschung zu den Auswirkungen von Wettessen auf den Körper. 2007 publizierte das American Journal of Roentgenology eine Studie zum Thema „Speed-Eating“. Die Forscher wollten herausfinden, wie Wettesser dazu fähig sind, so viel in so kurzer Zeit zu essen. Nach ihren Beobachtungen sind Wettesser dazu fähig, ihren Magen zu einem enormen Umfang auszudehnen, um die riesigen Massen verdauen zu können. Doch durch diese Routine kann es zu langfristigen Risiken kommen. „Wir gehen davon aus, dass professionelle Wettesser möglicherweise krankhafte Fettleibigkeit, umfassende Magenlähmung, hartnäckige Übelkeit und Erbrechen und den Bedarf für eine Magenresektion (das operative Entfernen eines Teils des Magens) entwickeln“, schreiben die Autoren. Fehle in Wettessern das natürliche Signal an das Gehirn, dass der Magen bereits gefüllt ist, könnte man sich dem Risiko für Übergewicht aussetzen. Eine Magenlähmung geschieht, wenn die Muskeln wiederholt so stark überdehnt werden, dass sie schlussendlich die Fähigkeit zum Zusammenziehen verlieren. Der Magen verliert dadurch die Fähigkeit, sich selbst zu entleeren. Eine effektive Behandlung gäbe es nicht.